Tagesarchiv: 2. Januar 2011

Heathkit SB-1000

Im Bild oben ist eine KW-Linear-Endstufe zu sehen, die in den 80er Jahren von Heathkit im Bausatz angeboten wurde. Links daneben ein sogenannter  “Bremsenkessel”, eine 1KW-Kunstlast, ebenfalls von Heathkit. Ob heute noch ein solcher Bausatz mit 3100 Volt Anodenspannung angeboten würde, wage ich zu bezweifeln. Ein falscher Griff und der OM raucht aus den Ohren und fasst schnurstracks eine Harfe. Paul, HB9DFQ, hat mir zu dieser legendären Endstufe folgendes geschrieben:

Von Heathkit habe ich einige Bausätze erfolgreich zusammengebaut. Unter anderen war das der SB-1000 im Jahre 1988. Dabei handelt es sich um eine 1 kW Endstufe für die “klassischen” Bänder von 10m bis 160m. Die Endstufe lässt sich aber auch auf den WARC Bändern betreiben.

Die Endstufe enthält eine 3-500Z Triode (grounded Grid) betrieben mit 3.1 kV Anodenspannung und 450 mA Anodenstrom.

Ausser einer Zenerdiode zur Erzeugung der Gittervorspannung enthält diese PA keine besonderen elektronischen Komponenten.

Für kurze Sprachspitzen, t < 1ms,  erreicht diese PA tatsächlich 1000 Watt Ausgangsleistung. Beim Abstimmen mit einem Träger erzielt man ca. 700 Watt Ausgangsleistung. Die PA eignet sich nur für SSB ohne Sprach-Kompressor im Dauerbetrieb. Die Kühlung ist viel zu schwach dimensioniert.

Der Zusammenbau hat aufgrund der sehr genauen Bauanleitung gut geklappt. Bei der Inbetriebnahme sind jedoch zwei Probleme aufgetreten:

1. Der Einschaltstrom war so gross, dass die 10 A Haussicherung durchgebrannt ist. Die Original-Schaltung enthielt keine Massnahmen zu Begrenzung des Einschaltstromes.

Ein 50 Ohm Seriewiderstand welcher nach 3 Sekunden von einem Zeitrelais überbrückt wird, löst dieses Problem. So werden alle beteiligten Komponenten, insbesonders die Elkos und der Heizfaden der Röhre weniger strapaziert. Der Heizstrom beträgt im Normalfall schon 14.4 A. Wie hoch der Strom im kalten Zustand der Röhre wird, möchte ich lieber nicht wissen. Die Elkos im Netzteil sind in Serie geschaltet. Mit sogenannten “Bleeder-Widerständen” (47 kOhm Parallel-Widerstände) sollen die 3100 Volt Anodenspannung gleichmässig über die 8 Elkos verteilt werden. Während dem Einschalten ohne Softstart ist die Spannungsverteilung jedoch reziprok zu den Kapazitäten der Kondensatoren, und diese sind bei weitem nicht gleich. Mit dem 50 Ohm Vorwiderstand dauert das Ansteigen der Anodenspannung ca. 2 Sekunden. Nach 3 Sekunden schaltet dann das Zeitrelais. Ich habe schon viele Endstufen-Netzteile gesehen, welche wegen dem fehlenden Softstart den Geist aufgegeben haben.

2. Nach den ersten Test habe ich festgestellt, dass die PA auf dem 10 m Band eine Funkenstörung im Empfänger produzierte. Es hat sich dann herausgestellt, dass die Hochspannungswicklung des Transformers nicht gut genug isoliert war. Das Problem konnte jedoch dadurch gelöst werden, dass die Wicklung umgepolt wurde. Ein Ende der Wicklung liegt bei der Spannungsverdopplerschaltung ja auf “Ground”. Hätte ich das nicht bemerkt, wäre früher oder später der Transformer in Rauch aufgegangen.

Aus den beiliegender Bildern ist der Aufbau der PA ersichtlich. Das Teil wiegt ca. 25 kg! Bisher mussten noch keine Bauteile ersetzt werden. Die PA wurde jedoch nur wenig gebraucht.

Soweit Pauls Bericht. Hier das Schema der Einschaltverzögerung:

Und hier noch ein Blick auf die Röhre im Betrieb:

Morgen noch mehr zu dieser weit verbreiteten Röhre und noch einige zusätzliche Bilder zu Pauls Endstufe.

Fortsetzung folgt

73 de Anton